Wie man ein Protokoll führt
Warum sollte es hier anders sein, als sonst im Leben? Sportarten verfügen über ein hohes Maß an ausgeklügelter und nicht gerade origineller Bürokratie. Ohne sie gäbe es diese Seite nicht, aber zugegebenermaßen wohl auch keinen interessanten Sport.
Diese Seite ist für alle geeignet, die bei einem Wasserballspiel Protokoll führen wollen. Eigentlich eine ganz einfache Sache. Wenn es jedoch so simpel wäre, würde es nicht andauernd zu Fragen, Fehlern und Missverständnissen kommen.
Deshalb lohnt es sich auch für protokollerfahrene Wasserballfans hier weiter zu lesen.
Diese Seite gibt es auch als Druckversion zum downloaden. (.pdf/77kB)
Vor dem Spiel
Bevor es losgeht: Ein Protokoll muss in dreifacher Ausführung geführt werden. Eines ist für den Rundenleiter, eines für die gegnerische und eines für die eigene Mannschaft. Das Protokollpapier ist durchschreibend, d.h. du musst leserlich und mit Kugelschreiber schreiben. Lege eine Pappe unter das dritte Blatt, denn sonst ist der ganze Protokollblock hin, weil du schlimmstenfalls 100 Kopien von einem Spiel hast!
Die netten Leute vom Protokoll
Die Protokollführer gehören zu dem Verein der Heimmannschaft - das ist immer die Erstgenannte im Spielplan.
"Das Protokoll" gehört zum Kampfgericht. Deshalb wird von den Protokollführerinnen und -führern während des Spieles ein faires, neutrales und den Schiedsrichtern gegenüber loyales Verhalten erwartet. Spielhinweise und Kommentierungen sind nicht erlaubt.
Der erste Sekretär führt das Protokoll als Schriftführer während des Spiels.
Ein zweiter Sekretär kann den ersten Sekretär unterstützen, indem er ihm Hinweise gibt, zur Kontrolle eigene Notizen über das Spiel anfertigt und unterstützt, wenn mehrere Ereignisse schnell hintereinander geschehen.
Der erste Zeitnehmer stoppt die genaue Spielzeit und die Viertelpausen. Er stoppt außerdem die Ausschlusszeiten, wenn Spieler für 20 Sekunden hinausgestellt werden oder eine Mannschaft nach einem Ausschluss für vier Minuten in Unterzahl bleibt. Ein Wasserballspiel dauert 4 mal 8 Minuten reiner Spielzeit, d.h. nach jedem Pfiff des Schiedsrichters wird die Spielzeit angehalten, bis der Ball wieder gespielt wird. In Hamburg und auf Turnieren wird von dieser Spielzeit oft abgewichen oder (wie z.B. im Winter) mit durchgehender Zeit gespielt. Die Spielzeit ist in den Durchführungsbestimmungen der Liga geregelt.
Ein zweiter Zeitnehmer stoppt die 30 Sekunden Angriffszeit, die eine Mannschaft bis zur Beendigung ihres Angriffes hat. Ist die Angriffszeit abgelaufen, meldet er es dem Schiedsrichter durch drei kurze Pfiffe. Eine Mannschaft bekommt erneut 30 Sekunden, wenn auf das Tor geworfen wurde, wenn es einen Eckball gibt, wenn ein Spieler der gegnerischen Mannschaft hinausgestellt wurde, nach einem Schiedsrichterball und nach einem Strafwurf.
In Hamburg werden die unteren Ligen ohne die 30s-Regel gespielt.
Die Zeitnehmer klären am besten vor dem Spiel, wer für die Zeitnahme der Auszeiten verantwortlich ist. Ruft einer der Trainer "Auszeit" oder "Timeout" und macht dazu die bekannte Geste mit den Händen (Anzeige "T"), dann muss die Spielzeit sofort angehalten werden. Das Spiel ist für eine Minute unterbrochen. Jede Mannschaft muss in ihre Spielfeldhälfte. Nach 45 Sekunden muss der Zeitnehmer einmal pfeifen. Ab jetzt dürfen die Spieler wieder in Angriffsposition überall auf dem Feld stehen. Nach weiteren 15 Sekunden folgt ein zweiter Pfiff und der Schiedsrichter kann das Spiel wieder freigeben.
Hier gibt es ein Beispielprotokoll.

Die Spieldaten (Oberer Bereich)

Vor dem Lesen hier klicken

Ort: Name des Schwimmbades; in Hamburg genügen die Abkürzungen.
Liga: Name der Runde, Klasse oder Jugendklasse (z.B. RL-Nord, OL, SL, D-Jugend...)
Spiel-Nr.: Sehr wichtig, deshalb nicht vergessen. Die Spielnummer steht im Spielplan vor dem Spiel.
Datum, Beginn und Ende: Letzteres kann man erst nach dem Spiel eintragen.
Turnierleiter: Wichtig bei Turnieren, entfällt bei Hamburger Ligen.
Schiedsrichter: Oft wird nur einer angesetzt. Als Zusatz sollte sein Verein dazugeschrieben werden.
Sekretär und Zeitnehmer: Bei vielen Spielen in Hamburg benötigt man nicht mehr als zwei Leute für diese Aufgaben.
Berechtigter: Dies ist ein Spielbeobachter und den gibt es nur in hohen Ligen, wie in der Bundesliga.
Ergebnisse:
-Viertelergebnisse: Nur die Tore des Viertels aufschreiben, nicht addieren!
-Verl. = Verlängerung: Nur das Ergebnis der Verlängerung eintragen.
-Endergebnis: Hier nach Kontrolle des gesamten Protokolls eintragen.

Die Mannschaftsaufstellung (Mittlerer Bereich)
Vor dem Lesen hier klicken

Weiss / Blau: Namen der Mannschaften. Die Mannschaften dürfen andersfarbige Kappen (außer rot) tragen. Der Schiedsrichter kann entscheiden, dass die Gastmannschaft in weiß spielen muss. Die Heimmannschaft hat Recht auf ihre Farbe.
Nr.: Nummern der Spieler. Im Ligabetrieb Nr. 1 bis 13. Die freien Stellen sind für Turniere (14 und 15), die Nr. 13 ist ein Ersatztorwart.
Name, Vorname: Leserlich schreiben!
Kap.-Nr.: Nummer des Kapitäns eintragen oder das Nummernkästchen einrahmen.
Jg.: Der Jahrgang muss nur bei Jugendspielern eingetragen werden, aber auch wenn sie in einer Erwachsenenmannschaft spielen.
Tore: Hier werden die persönlichen Torerfolge eingetragen, d.h. Strichliste führen und ggf. 5er-Blöcke benutzen.
Pers. Fehler: Nicht ankreuzen, sondern die jeweiligen Fehler eintragen ("A" für Ausschluss oder "S" für Strafwurffehler).
Tr.: Trainernamen eintragen, in Hamburg noch unüblich, bei höherklassigen Spielen unerlässlich.
Lz. Nr.: Lizenznummer des Trainers eintragen.
B: Namen des Betreuers eintragen, in Hamburg unüblich.
M: Mannschaftsleiter eintragen, in Hamburg unüblich.
Auszeiten: Hier ankreuzen, wenn eine Mannschaft eine Auszeit nimmt.

Der Spielverlauf (Unterer Bereich)
Vor dem Lesen hier klicken
Nr.: Nummer des Ereignisses. In jede Spalte darf nur ein Ereignis eingetragen werden.
Zeit: Hier die genaue Zeit eintragen, Minute und Sekunde, z.B. "15:12"
W / B: Die Nummer des Spielers eintragen, die der Schiedsrichter zeigt.
Ereignis: Tor ("T"), Ausschlussfehler (
"A"), Strafwurffehler ("S") oder Auszeit ("AU") eintragen.
Ergebnis: Den aktuellen Spielstand eintragen, nicht addieren.
Die leeren Kästchen sind für Verlängerungsviertel, werden also meistens freigelassen.
Tipps
• Schreibe die Ereignisse versetzt in die Spalte, d.h. die "T"s kommen an den linken Spaltenrand und die "A"s und "S"s an den Rechten und die "AU"s in die Mitte. So kann man nach dem Spiel leichter zählen und das Protokoll wird wesentlich übersichtlicher.
• Kennzeichne das Ende eines Viertels im Spielverlauf durch einen zusätzlichen Querstrich zwischen den Ereignissen. Das erleichtert hinterher das Addieren.
Elektroprotokoll
Natürlich macht der Fortschritt nicht am Eingang des Schwimmbades halt.
Inzwischen ist es in vielen, höheren Ligen vorgeschrieben, dass das Protokoll am Rechner mit einem Protokollführprogramm ausgefüllt wird. Wenn man diese Seite gelesen hat, ist dies wirklich ein Klacks.
Am Ende des Spieles wird das Protokoll dann ausgedruckt und die Schiedsrichter unterschreiben. Und natürlich werden dann über das Internet schon während des Schreibens die Ergebnisse im Live-Ticker übertragen.
Nach dem Spiel
Die Ereignisse in der Mannschaftsaufstellung müssen nun gezählt werden:
• Tore + Fehler + Auszeiten = Anzahl der Ereignisse
Abrechnung: Die Anzahl der Ereignisse muss mit der Nummer des Ereignisse übereinstimmen. Wenn die Rechnung stimmt geht´s weiter. Wenn nicht: Fehler suchen.
• Die leeren Spielverlauf-Felder durchstreichen und entwerten.
• Der Sekretär unterschreibt als Erster, danach die Schiedsrichter.
• Das Originalprotokoll an den Rundenleiter schicken, möglichst gleich nach dem Spiel.
F.A.Q.
Die meistgestellten Fragen und die passenden Antworten.
Strafen
Hier steht, was Fehler im Protokoll kosten können.
Packliste
Was man zum Protokollführen braucht.
Perfektes Beispiel
Wie ein professionelles Protokoll aussieht.
Das Protokoll bei der
EM-Quali 2003.
Zusammengestellt von Christian Landmann und Philipp Kopf